Hollywin: Ein Abend, der nicht nur gruselig sein will
Am Nachmittag vor dem Fest riecht das Stiegenhaus nach Kürbis und Klebstoff. In der NMS Brüsslgasse werden Tische gerückt, Lichterketten verlegt und letzte Kostümteile befestigt. Hollywin ist hier kein spontaner Gruselspaß, sondern ein schulisches Projekt mit klaren Aufgaben: Ältere Jahrgänge betreuen Stationen, jüngere Schülerinnen und Schüler durchlaufen sie in Gruppen. Der Unterschied zu einer reinen Halloween-Party liegt in der Vorbereitung.
Das Problem: Grusel ohne Struktur
Viele schulische Halloween-Aktionen bleiben bei Dekoration und Süßigkeiten stehen. Das Problem ist nicht der Spaß, sondern die fehlende Verbindung zum Schulalltag. Wenn Kostüme und Schreckmomente den einzigen Inhalt bilden, entsteht Unruhe ohne Lernanlass. Genau hier setzt Hollywin an: Jede Station braucht eine Aufgabe, eine Anleitung und eine verantwortliche Person.
Die Ursache: Wenig Verantwortung im Schulalltag
Ältere und jüngere Schülerinnen und Schüler begegnen sich im Schulhaus oft nur flüchtig. Die Ursache liegt im getakteten Tagesablauf: Jede Klasse arbeitet für sich, gemeinsame Projekte bleiben Ausnahme. Hollywin dreht dieses Muster um. Die Achtklässler planen kurze Gruselgeschichten, bauen einfache Rätselstationen und lernen, Gruppen zu führen. Die Jüngeren erleben ältere Schüler nicht als Aufsicht, sondern als Gastgeber.
Die Lösung: Klare Rollen statt Aktionismus
Vor dem Abend werden Aufgaben verteilt: Aufbau, Technik, Begrüßung, Zeitwache und Aufräumen. Jede Gruppe hat eine Ansprechperson, jede Station einen festen Ablauf. Wer die Planung und Eindrücke zur Veranstaltung nachlesen will, findet auf der Schulwebsite weitere Informationen zu Hollywin. Entscheidend ist, dass die Rollen vorher bekannt sind. So wird aus einem aufgeregten Fest ein überschaubares Projekt.
Was Hollywin konkret verändert
Beispiel Lesestation
In einer abgedunkelten Klasse lesen Achtklässler kurze Gruselgeschichten vor. Die jüngeren Kinder halten Taschenlampen und lösen danach drei Fragen zum Gehörten. Das Problem – Lesen wirkt im Alltag oft wie Pflicht – wird durch die Inszenierung nicht gelöst, aber bearbeitet. Die Ursache liegt in der fehlenden Verbindung zwischen Text und Erlebnis. Die Lösung ist eine kurze, klare Aufgabe direkt nach der Geschichte.
Beispiel Aufbau und Aufräumen
Hollywin endet nicht mit dem letzten Gruselraum. Am nächsten Schultag wird ausgewertet: Was lief gut, was war zu laut, welche Station brauchte länger? Diese Nacharbeit ist der unspektakuläre Teil des Konzepts. Sie verhindert, dass das Fest nur als Ausnahmezustand im Kalender bleibt. Die beteiligten Klassen übernehmen sichtbar Verantwortung für einen Ort, den sie sonst nur nutzen.
Warum Hollywin über den Abend hinaus wirkt
Nach dem Fest berichten Lehrkräfte häufig von einem anderen Umgang zwischen den Jahrgängen. Das ist kein Zufall: Wer eine Station erklärt, muss zuhören, Tempo halten und auf Rückfragen reagieren. Hollywin trainiert damit Fähigkeiten, die im Unterricht schwerer sichtbar werden. Die Veranstaltung bleibt ein Fest, aber eines mit klarer Aufgabe: Gemeinschaft wird nicht beschworen, sondern praktisch geübt.